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Ben
Vor 4 Jahren mussten wir unsere 8 Jahre alte
Doggenhündin Bella wegen schwerer Herzprobleme einschläfern
lassen. Somit war unsere Nikkita (ehem. Negrita aus Lanzarote) eine
schwarze Bardina-Mix Dame alleine. Da sie Bella auf ihrem letzten
Weg begleitet hat, verstand sie dass sie nicht wiederkommt. Da jeden
morgen unsere Pflegehündin Kira (Podenco-Pointer-Mix Mädchen)
vorbeigebracht wird, fiel es ihr nicht allzu schwer, sie war ja
nicht alleine.
Viele boten mir Hunde an, Welpen, erwachsene Hunde
–weil wir immer im Doppelpack aufkreuzten. KEIN Hund hat mich berührt,
also blieb Nikki weiterhin „Einzelhund“. Bis zu dem
schicksalhaften Abend, als ich bei Bardino.de surfte, wie so oft. Da
sah ich IHN…
Berti, angeblich 9 Jahre alt, wurde auf Fuerte
Ventura aus der Tötungsstation geholt. Ein freundlicher alter
Knabe, der wohl sein ganzes Leben an der Kette verbracht hat. Mich
hat dieses Gesicht nicht mehr losgelassen! Es war Dezember und ich
schaute immer mal wieder auf der Homepage rein. Berti saß immer
noch da. Ich hatte mich verliebt und dachte nur: „diese arme Socke
sieht aus als hätte sie aufgegeben, ich würde ihm so gerne ein
Zuhause geben“. Ich hatte einen großen Kampf mit meinem Mann vor
mir. Ein alter Hund, viel Geld, wir wollten doch keinen zweiten
mehr…
Ich habe mich durchgesetzt. Die Vorkontrolle
bestanden wir mit Bravur. Berti landete am 17. Januar in Frankfurt!
Einen Tag nach unserem Hochzeitstag! Mit meiner Freundin fuhren wir
zum Flughafen. Die Dame vom Tierschutz ließ mich die Formulare ausfüllen
und wir warteten…
Dann kam die Flugpatin mit dem Transportbehälter
und meinte: „och, der arme alte Mann war ja sooo brav!“ Ich
entgegnete: „Naja, 9 Jahre ist ja noch nicht uralt, oder?“.
Woraufhin die Dame meinte: „Im Impfpass steht er ist 12 Jahre
alt.“ Ich dachte mir hätte jemand eine Faust in den Magen
gerammt. Dann sah ich ihn. Ein knochiges Häufchen Hund, der mit
geschlossenen Augen teilnahmslos in seiner Box saß und nicht wusste
wie ihm geschieht. Ich hatte Tränen in den Augen und konnte mir
einen Weinkrampf grade so verbieten. Meine Freundin und ich sahen
uns betroffen an. Ich wollte eigentlich keinen Hund der soviel älter
war als meine 8 ½ Jahre alte Nikki! Ich wollte nicht dass der
„Neue“ irgendwann alleine zuhause bleiben muss, weil er das
Pensum unseres anderen Hundes nicht mithalten kann. Diese Situation
wollte ich nicht noch mal erleben, bei meiner alten Mix-Hündin war
es so. Der Blick, wenn ich mit der jungen Hündin zu den Pferden
gefahren bin und sie nicht mitkonnte! DAS wollte ich keinem zweiten
Hund zumuten… sie sollten doch gemeinsam alt und grau werden.
Diese Gedanken haben mich beschäftigt während
der Heimfahrt. Ich war innerlich sehr aufgewühlt. Als Ben, so haben
wir ihn genannt, dann Zuhause war, fingen die Probleme an.
Dieser Hund war in sich gekehrt, nahm keinen
Anteil an seiner Umgebung, bestand nur aus Angst und war nicht zu
motivieren. Selbst nach wenigen Wochen, schien er sich immer wenn er
in eine ihn überfordernde Situation kam, „weg zu träumen“. Er
setzte sich hin, schloss die Augen und glaubte wohl: wenn ich
niemanden sehe, dann sieht mich auch keiner.
Es fiel mir sehr schwer mich in ihn reinzufühlen,
vieles was bei anderen Hunden selbstverständlich ist, war ihm
fremd, neu, machte ihm angst und ich drang nicht zu ihm durch. Seine
Abwesendheit, das nicht reagieren, ich war völlig hilflos und überfordert.
Ich saß oft da und habe geweint, gezaudert, wusste nicht weiter.
Mein Mann meinte nur: „Wenn Dir das so an die Nieren geht, dann
schick ihn zurück! Du bist ja fix und fertig!“ Ich sagte: “Wenn
ich DAS mache, dann stirbt er!“. Zumal er sich inzwischen MICH als
seine Bezugsperson auserkoren hatte.
Also setzte ich mich hin, las mir mein Bachblüten
Buch aufmerksam durch und bestellte in der Apotheke die Blüten die
ich noch benötigte. Als meine Mischung fertig war, verordnete ich
ihm diese 3x täglich! Direkt nach der ersten Einnahme meinte ich
eine Verbesserung zu bemerken. Nach zwei Wochen, fing Ben an seinen
neuen Lebensraum wahrzunehmen! Er schnüffelte hier und da, grub Löcher
im Stall (ich dufte ihm anfangs nicht zu sehen, er hörte dann immer
auf), erste Spielaufforderungen unserer Nikki schienen Erfolg zu
haben!
JETZT einen solchen Moment erleben zu dürfen, war
für mich wie ein 6er im Lotto! Mir kommen heute noch die Tränen,
wenn ich daran denke.
Heute ist BEN 8 Monate bei uns. Er hat sich völlig verändert!
Dieser alte Knochen (vom Tierarzt sogar auf 13 Jahre geschätzt)
mutierte zum souveränen, freundlichen, aufgeschlossenen (aber immer
noch vorsichtigen) Kasper! Er spielt mit Nikki wilde Spiele im Bett,
liebt seine Schweinohren und MICH über alles. Wo ich bin ist er
sicher, da passiert ihm nichts! Dieser Hund hat mich Geduld und
Demut gelehrt! Er hat sich direkt in mein Herz gebohrt und ich liebe
ihn über alles! Ich musste mir sein Vertrauen hart erarbeiten, wir
hatten Rückschläge, gute und schlechte Tage. Aber ein wedeln, ein
Blick aus seinen inzwischen OFFENEN und runden, bernsteinfarbenen
Augen, ein leichtes Stubsen, alles das lässt mein Herz vor Freude
und Stolz hüpfen und treibt mir die Tränen in die Augen.
Ich kann wirklich jedem empfehlen, einen alten
Hund bei sich aufzunehmen! Die Dankbarkeit und Liebe die er mir
schenkt ist einfach überwältigend. Sicher war es ein langer Weg,
aber Ben hat nun eine neue Chance bekommen. Er kann sich frei
bewegen, benötigt keine Leine, war von Anfang an sauber, er ist
mein Schatten und folgt mir überall hin. Ich wünschte mir, ich hätte
ihn früher kennen lernen dürfen, ihm früher ein Zuhause geben können,
ihm MEHR ZEIT auf dieser Welt geben können. Ich wünsche mir dass
er noch eine lange Zeit bei uns sein darf und dass diese Zeit ihn
wenigstens ein wenig für die schreckliche Zeit in Spanien (mit
Tritten, Schlägen, liebloser Behandlung und Ignoranz) entschädigen
kann.
Ben, Nikki, Kimmi (Hund der Großeltern, auch
Spanier), meine zwei Pferde Nick und Indi, mein Mann und meine
Wenigkeit!
Gabriele Engfer
E-Mail: gabriele.engfer@freenet.de
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