Pablo
Ostern 2005 starb mein Bardino-Rüde „Rasta“. Der Verlust dieses Hundes
ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es war, als wäre ein Teil von mir
mit ihm gegangen.
Trotzdem, oder auch gerade deshalb, entschloss ich mich schon bald, mir
wieder einen Hund anzuschaffen. In unserem Haushalt leben noch zwei weitere Hunde. Die Bardino-Mix
Hündin „Fari“ und der Schäferhund „Moses“. Ich liebe diese beiden sehr,
aber sie sind doch eher die Hunde meines Lebensgefährten Frank.
Ich aber wollte wieder einen Hund der ganz und gar „mein“ ist. Ein
Bardino musste es sein!
Ich suchte zuerst im Internet, wurde aber nicht fündig. Dann suchte ich
Kontakt zu diversen spanischen Tierhilfsorganisationen.Schnell musste ich feststellen, dass zwar viele, Bardinos zu
vermitteln waren, diese aber alle in Spanien auf einen neuen Besitzer
warteten. Ich sträubte mich aber dagegen, mir einen Hund nur anhand
eines Fotos auszusuchen und aus Spanien schicken zu lassen.
Ich wollte
„meinen“ Hund erst kennen lernen bevor ich mich für ihn entscheide.
Ich setzte mich daraufhin mit der Pflegestelle in Verbindung, die mir
schon meinen „Rasta“ und auch unsere Hündin „Fari“ vermittelt hatte.
Man hatte mich in der Pflegestelle noch gut in Erinnerung und man versprach mir, sich nach einem jungen, gestromten Bardino
umzuschauen.
Eine kleine Ewigkeit, nämlich rund 3 Monate später wurde die Vermittlerin in einer Perrera auf Teneriffa fündig.
Ich erhielt den ersehnten Anruf, dass noch in dieser Woche ein ca. 5
Monate alter, gestromter Bardino-Rüde in der Pflegestelle in Deutschland eintreffen würde.
Die Frau sagte mir, dass ich mir den Hund anschauen sollte. Sie wäre
mir aber nicht böse, wenn ich ihn nicht haben wollte. Dann würde sie
sich weiterhin für mich umschauen. Das fand ich sehr nett.
Es wurde vereinbart, dass der junge Hund in den nächsten Tagen auf
Mittelmeerkrankheiten getestet wird, denn nur bei einem negativen Testergebnis wollte ich ihn mir anschauen. Ich wollte mich auf keinen
Fall in einen, schon von vorne herein, kranken Hund vergucken.
Eine Woche später, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, erreichte mich
dann die Nachricht, dass der Test „negativ“ ausgefallen war.
Da sich die Pflegestelle in der Nähe von Frankfurt/Main befindet, ich
aber zwischenzeitlich in der Nähe von Hamburg lebe, besuchte eine Freundin aus meiner Frankfurter Zeit, Simone,
noch am gleichen Tag die Pflegestelle um den kleinen Kerl kennen zu lernen und mir Bericht zu
erstatten. Wenige Stunden später rief mich eine völlig aufgeregte Simone an und
sagte: ich gehe gerade mit deinem neuen Hund spazieren. Dann schwärmte
sie in den höchsten Tönen von Pablo, wie ich ihn schon getauft hatte.
Jetzt war ich nicht mehr zu halten.
Schon am nächsten Wochenende fuhr
ich los. 500 km später führte mein Weg direkt von der Autobahn zu Pablo.

In der Pflegestelle war alles wie vor 10 Jahren als ich Rasta und Fari
dort entdeckt hatte. Es wuselten wieder viele Hunde verschiedener Rassen, Alter und Größen herum. Meinen Hund entdeckte ich in dem ganzen
Durcheinander nicht. Ich ging in die Hocke und war sofort von allen
umringt.
Plötzlich kam zwischen den ganzen Hunden, dicht vor meiner
Brust, ein kleiner, gestromter Kopf zum Vorschein. Der kleine Kerl klettert sofort an mir hoch und schaute mir direkt ins Gesicht. Da sah
ich Pablo zum ersten Mal. Ach, sagte ich, da bist du ja...
Rein optisch sah Pablo absolut nicht so aus, wie ich mir
ihn vorgestellt hatte. Er war sehr klein für sein Alter. Allerdings lag das
wohl daran, dass er völlig unterernährt war. Außerdem war er wahrscheinlich auch jünger als 5 Monate. Dazu kam, dass ich mir wieder
einen dunkel gestromten Hund mit schwarzer Maske und hellen Augen vorgestellt hatte (einen zweiten Rasta??). Pablo ist heller
gestromt, hat zwar ein dunkleres aber nicht ganz schwarzes Gesicht und braune
Augen.

Da ich schon am nächsten Morgen wieder nach Hause fahren musste, und
ich deshalb nur den einen Tag hatte um mich für oder gegen Pablo zu
entscheiden, packte ich ihn gleich ins Auto und fuhr mit ihn ans Rheinufer um dort mit ihm den Nachmittag zu verbringen und ihn kennen
zu lernen.
Man sollte meinen, dass dies für Pablo ein Schock war. Eine Wildfremde
kommt daher um ihn dann gleich zu entführen. Es sah aber so aus, dass
Pablo von dem Augenblick an, als er an mir hochkletterte, wie eine Klette an mir hing und mir nicht von der Seite wich.
Am Rheinufer angekommen wackelte er mit hoch erhobener Rute neben mir
her. Zwei Freundinnen von mir, beide haben jeweils eine spanische Hündin aus
derselben Pflegestelle wie Pablo (und Rasta, und Fari), gesellten sich
zu uns.
Pablo sprang laut kläffend um die Hündinnen herum und wollte mit ihnen
spielen. Seine hohe schrille Stimme ging mir durch Mark und Bein. Meinen Freundinnen gegenüber zeigte er sich vorsichtig aber nicht
wirklich ängstlich.
Auf dem Rückweg zur Pflegestelle grübelte ich die ganze Zeit darüber,
ob ich Pablo haben wollte. Ich war sehr unsicher. Zwar fand ich es rührend wie er sich an mich klammerte, aber da war noch das Aussehen
und, was mich noch mehr verunsichert hatte, dass schrille Gekläffe!
Die paar Stunden waren einfach zu kurz, um einen Hund kennen zu lernen.
Trotzdem entschied ich mich, dass er mein Hund werden sollte. Am nächsten Morgen holte ich ihn dann wieder ab. Diesmal um ihn mit
nach Hause zu nehmen.
Auf der langen Autofahrt hatte ich dann wieder viel Zeit zum nachdenken. Während ich darüber nachdachte, ob ich die richtige
Entscheidung getroffen hatte, lag Pablo im Auto und schlief die meiste
Zeit. Einmal wurde es ihm schlecht und er musste sich übergeben. Die
lange Fahrt war wohl etwas zu viel für den kleinen Kerl, der in den
letzen Tagen so viele Veränderungen erleben musste.

Was mich auf dieser Fahrt sehr bedrückte war die Tatsache, dass ich
keinen Stolz darüber verspürte das ich wieder einen Hund habe. Ich kann
mich noch gut an die Heimfahrt vor 10 Jahren erinnern, als Rasta hinten
in meinem Auto lag. Ich war so stolz wie noch nie vorher in meinem Leben. Und ich wartete nun mit Pablo auf dieses Gefühl. Aber es kam
einfach nicht. Wahrscheinlich ist dieser intensive und spontane Stolz nur für den
ersten eigenen Hund reserviert.
Dieser Tag ist nun über ein Jahr her, und ich habe meine Entscheidung
für Pablo nicht bereut. Pablo hat sich prima in unser kleines Hunderudel eingefügt. Wirkliche
Probleme gab es von Anfang an nicht.

Was mich allerdings verwundert hatte war das Moses und Fari, nachdem
sie ihn (auf neutralen Boden. Frank und ich haben uns erst einmal mit
den Hunden im Wald getroffen, bevor ich Pablo zu uns nach Hause gebracht habe) nach kurzem Beschnuppern, ganz einfach nicht mehr
beachtet hatten. Und zwar gut 14 Tage lang! Danach haben sie sich ihm
langsam genähert. Heute ist er ein vollständiges und akzeptiertes Mitglied in unserem kleinen Hunderudel.
Die Kläfferei, die er mir am ersten Tag präsentiert hat, hat er danach
nie wieder gezeigt.
Ich habe ihn, mit vielen kleinen Mahlzeiten am Tag, langsam
aufgepäppelt und er ist zu einem wunderschönen, kraftvollen Rüden
herangewachsen.
Er weicht mir seit dem ersten Tag nicht von der Seite und er ist der
liebevollste Hund den ich kenne. Er ist sehr gehorsam und hat mir seine Erziehung bislang leicht
gemacht. Erst in den letzen Wochen bemerke ich an ihm einige Momente
die darauf hindeuten, dass auch er langsam anfängt zu flegeln, hin und
wieder die Ohren verschließt oder sich mit anderen Rüden anlegen möchte
(bislang ist er noch unkastriert).

Ich bin eine begeisterte Hundesportlerin und auch in dieser Hinsicht
ist Pablo ein Schatz. Er hat an allem Spaß, sei es Unterordnung, Agility oder auch Schutzdienst. Er möchte alles richtig machen und
lernt unglaublich schnell. Vom Hundeplatz kann er nie genug bekommen.
Es ist eine Freude mit ihm zu arbeiten.

Auch ist er mir ein zuverlässiger und begeisterter Begleiter am Pferd.
Als Reitbegleithund kann er seinen enormen Bewegungsdrang richtig ausleben.
Was er bislang nicht abgelegt hat, ist seine Angst vor fremden Menschen. Bei Frauen ist er nur vorsichtig, vor Männern hat er richtig
Angst. Wenn ein ihm noch unbekannter Mann mit ihm in Kontakt treten möchte, muss dieser sich viel Zeit und Mühe geben um an Pablo
heranzukommen. Allerdings wird dieser Mann beim nächsten Treffen sofort
wieder erkannt.
Was ich mir wünsche ist, dass er noch souveräner wird. Aber auch das
bekommen wir noch in den Griff. Er ist ja noch ein Teenager.
Nun habe ich wieder einen wunderbaren Bardino und ich bin mittlerweile
auch stolz auf ihn!!!!!
Er wird nie Rasta´s Platz in meinem Herzen einnehmen. Ich muss mich auch immer noch zur Ordnung rufen, Pablo nicht mit Rasta
zu vergleichen. Sie sind zwei vollkommen verschiedene Hunde von denen
jeder seine Vorzüge hat bzw. hatte. Ich wollte einen zweiten Rasta und
habe einen vollkommen anderen Hund bekommen.
Und irgendwie bin ich froh darüber.
Grüsse an die Inselhunde
Diana
E-Mail: diana@wolfraum.com
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