Rasta
Rasta kam an Ostern vor 9 Jahren zu uns. Damals war er 6 Monate
alt. Ein sehr schüchterner, unsicherer gestromter Hund mit
wunderbaren goldenen Augen. Ich hatte mich sofort in ihn verliebt,
obwohl er rein optisch genau das Gegenteil von dem war, was ich zu
diesem Zeitpunkt gesucht hatte. Eigentlich wollte ich einen
Retriever oder ähnliches, jedenfalls einen blonden Hund mit dunklen
„Kajalaugen“.
In der Pflegestelle von Sara Lanzarote, in der ich mich nach
einem Hund umschaute, lebten ca. 10 Hunde. Ob ein blonder Hund wie
ich ihn mir wünschte dabei war, weiß ich heute gar nicht mehr. Ich
interessierte mich sofort nur für Rasta. Nachdem ich einige Male
mit ihm spazieren gegangen war, wußte ich das er „mein“ Hund
ist und nahm ihn mit nach Hause.
Bis er sich bei uns eingelebt hatte, mußten viele Probleme gelöst
werden. Rasta war, bevor er zu uns kam, schon einmal vermittelt
gewesen und wieder zurückgegeben worden. Sein ganzes Verhalten
zeigte, dass seine Erfahrungen mit Menschen bislang nicht unbedingt
positiv waren. Dazu kam, dass Rasta mein erster eigener Hund war und
ich deshalb noch keinerlei Erfahrung hatte.
Rasta und ich waren, sobald ich von der Arbeit kam, ständig
zusammen. Im positivsten Sinne hat er mein ganzes Leben auf den Kopf
gestellt. Ich lehrte ihm alles, was ein Hund lernen muß und er
lehrte mir viel über das Wesen eines Hundes.

Hilfe bei seiner Ausbildung bekam ich im nahegelegenen
Hundeverein. Außerdem verbrachten Frank und ich in diesem Jahr
unseren Urlaub mit Rasta in
einer Hundeschule in Niedersachsen. Dort lernten wir viel über die
Ausbildung von Hunden. Rasta hatte in diesen zwei Urlaubswochen auch
seinen Spaß, denn er lernte viele neue „Hundefreunde“ kennen.
Und als wir wieder nach Hause fuhren, waren wir mit Rasta´s
Erziehung schon ein ganzes Stück weiter gekommen.
In diesem Urlaub lernten wir auch den Agility Sport kennen und
lieben. Sobald wir zu Hause waren hielt ich nach einem Hundeverein
in unserer Nähe Ausschau, in dem diese Sparte des Hundesports
angeboten wurde. Ich wurde fündig. Und als Rasta 15 Monate alt war,
begannen wir mit dem Agility Training. Rasta hat es geliebt.
Ganz im Gegenteil zur Unterordnung. Trotzdem bestand er zwei
Mal die Begleithundeprüfung.

Fortan hatte wir zwei Mal wöchentlich
Agility-Training, und
irgendwann waren wir dann soweit, dass wir auf Turnieren starten
konnten. Die gemeinsamen Tage auf den Turnieren ließen Rasta und
mich noch mehr zusammenwachsen. Und nach vielen Disqualifikationen
in der Anfangszeit wurden wir richtig gut und gelangten dann bis in
die „Königsklasse“ A3.
Eine
weitere von Rasta´s Leidenschaften war Wasser. Viele Stunden
verbrachten wir am Rheinufer. Stundenlang musste ich ihm Stöckchen
ins Wasser werfen, die er dann eifrig wieder an Land brachte.
Oftmals holte er in mühevoller Arbeit ganze Baumstämme aus dem
Wasser, so schwer, dass es mir oftmals ein Rätsel war, wie er das
geschafft hat.
Als Rasta 2 Jahre alt war, wurde er sehr krank. Er fing an zu
humpeln. Mal vorne rechts mal links. Er hatte keinen Appetit, nahm
stark ab und war sehr müde und traurig. Ein Blutbild brachte die
niederschmetternde Diagnose: Borreliose. Er bekam Antibiotika in großen
Mengen die er sehr schlecht vertrug und sie immer wieder erbrach.
Ihm ging es sehr, sehr schlecht und ich hatte große Angst um ihn.
Aber er erholte sich wieder und als wir 6 Wochen später
wieder ein Blutbild machten, waren die Werte in einen
unbedenklichen Bereich gesunken. Allerdings wurde nun auch
festgestellt, dass Rasta Leishmaniose positiv war. Allerdings kam
diese Krankheit nie zum Ausbruch. Ab diesem Zeitpunkt ließ ich
einmal jährlich ein Blutbild machen. Seine Werte waren immer in
Ordnung.

In den nächsten Jahren zogen noch zwei weitere Hunde in unseren
Haushalt ein. Die spanische Bardino-Mix Hündin „Fari“ und der Schäferhund
„Moses“. Rasta war der unbestrittene „Chef“ unseres
Hunderudels. Überhaupt hatte er in den Jahren ein starkes
Selbstbewußtsein entwickelt. Er war zu einem wunderschönen,
kraftvollen Rüden herangewachsen, der eine angenehme Ruhe
ausstrahlte und manchmal regelrecht Arrogant wirkte. Das wichtigste
aber war, dass er mir ein wunderbarer und zuverlässiger Begleiter
geworden war. Fremden
Menschen gegenüber blieb er immer zurückhaltend, aber sobald sich
jemand die Mühe gemacht hat ihn kennenzulernen, erkannte ihn Rasta
immer wieder und freute sich.
Sein wachsendes Selbstbewußtsein brachte allerdings auch einen
Nachteil mit sich. Er duldete keine anderen unkastrierten Rüden in
seiner Nähe. Mit Hündinnen und kastrierten Rüden verstand er sich
nach wie vor prima. Was unkastrierte Rüden betraf, wurde er ein
richtiger Raufbold. Als er älter wurde relativierte sich auch das.
Zwar durfte kein unkastrierter Rüde zu ihm oder seinem Rudel
kommen, er machte sich nicht mehr die Mühe von selbst auf diese
Hunde zuzugehen um mit ihnen zu kämpfen.
Da ich immer Pferde hatte, nahm ich ihn von Anfang an auch mit in
den Reitstall. Er liebte es, im weichen Sand der Reithalle oder auf
dem Reitplatz zu spielen. Wenn ich am Reiten war, lag er brav in
einer Ecke und beobachtete alles mit seinen wunderschönen
bernsteinfarbenen Augen. Auch war er ein unermüdlicher und zuverlässiger
Begleiter auf langen Ausritten.
Mitte März dieses Jahres, tat Rasta etwas was mich sofort stark
beunruhigte. Er gab seinen Rang als Chef unseres kleinen
„Hunderudels“ an unseren Schäferhund Moses ab. Das war an
vielen Kleinigkeiten zu erkennen. Moses durfte plötzlich in Rasta`s
Körbchen liegen. Kurz vorher hätte Moses noch nicht einmal den
Versuch gestartet in das Körbchen zu gehen. Chefkörbchen war bis
dahin tabu. Auch durfte Moses ihm plötzlich Dinge wie Kauknochen
und Spielzeuge abnehmen. Als Rasta sich einmal einer fremden Hündin
näherte, biss Moses ihn regelrecht von ihr weg. Auch das wäre kurz
vorher undenkbar gewesen.
Rasta machte ansonsten aber einen normalen Eindruck. Er fraß
gut, sah topfit aus und war lebhaft wie immer. Allerdings hatte ich
den Eindruck, dass er nach größerer Anstrengung, wie zum Beispiel
einem Ausritt, sich länger ausruhte als normalerweise.

Deshalb war ich in der Woche vor Ostern mehrmals mit ihm beim
Tierarzt. Ich ließ ihn untersuchen und ein Blutbild und einen
Herzultraschall machen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag
stand er neben meinem Bett und wollte, dass ich mit ihm
komme. Ich verbrachte daraufhin die ganze Nacht erst mit ihm im
Garten und dann auf dem Küchenfußboden. Jedesmal wenn ich wieder
ins Bett gehen wollte war er ganz aufgeregt und holte mich zurück.
Es ging ihm offensichtlich nicht gut.
Deshalb blieb ich bei ihm sitzen, bis es Zeit für mich war
arbeiten zu gehen. Als ich Mittags von der Arbeit kam, ging es ihm
ziemlich gut und wir verbrachten den Nachmittag am See wo er eifrig
Stöckchen aus dem Wasser holte.
Dann ging alles sehr schnell. In den nächsten Tagen stellte sich
heraus, dass er eine chronische Niereninsufizienz hatte. Nachdem er
seine letzte Nacht in der Tierklinik verbracht hatte, nahm ich ihn
am Ostermontag mit nach
Hause und ließ ihn bei uns im Garten, auf seinem Lieblingsplatz
unter der großen Thuja, von seinen Leiden erlösen.
Nun liegt er hinter dem Reitplatz, auf dem er immer so gerne
gespielt hat, begraben.
Er fehlt mir jede Minute des Tages. Ich sehe ihn noch mit seinen
kurzen, schnellen Schritten und hoch erhobener Rute vor mir
herlaufen. Ich sehe seine leuchtenden Augen. Ich fühle seine nasse,
harte Nase, mit der er mich immer angeschubst hatte. Ich fühle
seine weichen Leftzen, das samtige Fell auf seinem Nasenrücken, das
weiche Fell auf seinem Kopf und das etwas racke Fell auf seinem Rücken.
Ich vermisse seine liebevolle Begrüßung, seine wohltuende,
unaufdringliche Anwesenheit und
das Gefühl, wenn er sich in meinen Kniekehlen zusammengerollt hat.

An
sternenklaren Abenden suche ich am Himmel den hellsten Stern und bin
mir sicher, dass dies „sein“ Stern ist.
Gruß an die Inselhunde, Diana
E-Mail: diana@wolfraum.com
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