Taco
Unser
damaliger Hund Tibor, ein Mischling wurde leider vom Zug überfahren.
Die Zeit ohne ihn war sehr, sehr schmerzhaft
für uns, und wir hielten es einfach nicht aus, ohne einen
vierbeinigen Liebling zu sein.
So fuhren wir in ein gut geführtes Tierheim, wo
wir auch Tibor schon rausholten und baten dort um den ärmsten
Hund, den sie gerade haben.
So stellte man uns "Tasso" vor, er
wurde uns als Boxermischling präsentiert. Er war bereits 7 x im
Tierheim gelandet und war so was von traurig, unvorstellbar.
Wir versuchten uns, ihm zu nähern, er kam zwar
kurz her, doch drollte er sich wieder auf sein Platzerl,
ignorierte uns in der Annahme, das sind bestimmt wieder solche,
bei denen ich bald wieder im Tierheim lande oder so ähnlich.
Doch sein trauriges Wesen und das Wissen, er ist
der Ärmste unter all den Hunden hier ermutigte uns, für ihn zu
entscheiden. Wir machten einen kleinen Probespaziergang mit ihm,
bei dem er dermassen aufblühte und war so freundlich, dass wir
keine Sorge hatten.
So wurde aus "Tasso" , damals 3 Jahre
alt, "Taco" und unser neues Familienmitglied. Wir kamen
mit ihm nach Hause in sein neues zu Hause mit Garten und seine
erste Tat war ein riesengrosses Hauferl mitten ins Wohnzimmer.
Durch den Besuch beim Tierarzt kamen wir drauf,
dass es ein Bardino ist - mit doppelter Wolfskralle, der Halswamme
usw. So hatten wir einen echten "Spanier" in der Familie
und ich taufte ihn auch vorher noch auf Taco, ohne Wissen seiner
Herkunft. Noch dazu war ich selbst eine Zeit in Spanien,auch auf
den Kanaren, spreche spanisch so gut wie deutsch und habe einen
spanischen Familiennamen. Es war alles irgendwie wie eine Fügung.
Rund 14 Tage später wollte ein Einbrecher
mitten in der Nacht mit einer Brechstange in das Haus durch das
Fenster im Kinderzimmer. Taco kämpfte wie ein Löwe mit ihm, um
meinen Sohn zu beschützen. Der Einbrecher schlug mit der
Brechstange auf den Hund mehrmals ein, doch er liess sich nicht
entmutigen und kämpfte, was das Zeug hielt, verlor dabei sogar
sein Halsband. Taco schlug ihn in die Flucht und lag dann völlig
erschöpft und fertig da. Wir waren so dermassen stolz auf ihn, es
war unbeschreiblich. Ein 3-jähriger Hund, der 7x zurück ins
Tierheim musste, seine neue Familie kaum kennt, verteidigte sein
neues Reich wie ein wilder Löwe.
Von da an erhoben wir unseren Hund in den
"Adelsstand" und tauften ihn "Don Taco".
Trotz allem waren die ersten 6 Monate sehr
anstrengend für uns. Er zerriss in dieser Zeit 6 Paar Vorhänge,
räumte mit Vorliebe den Mülleimer aus und Hauferl und Lackerl im
Haus waren an der Tagesordnung, obwohl er einen großen Garten hatte. Dort
verrichtete er seine Notdurft zwar auch, jedoch gefiel es ihm im
Haus anscheinend besser. Es war irgendwie wie eine Art Protest,
irgendwas wollte er uns damit sagen.
Es half kein Schimpfen, kein Leckerbissenentzug,
nichts.
Er ging auch in das Haus des Nachbarn,
klaute dort die frisch gekochte Stelze (Eisbein), die gerade zum
Auskühlen auf der Küche stand usw, usw.
Wir hielten Rücksprache mit dem Tierheim, was
zu tun sei - wir wussten uns keinen Rat mehr. Im Tierheim bekamen
wir Infos, die uns auch nicht wirklich weiterhalfen.
Als ob Taco gespürt hat, dass wir innerlich
schon am Ende sind, änderte er schlagartig sein Wesen, von einem
Tag zum anderen. Kein Lackerl und kein Hauferl mehr im Haus, keine
ausgeräumten Mülleimer und kein Zerreissen der Vorhänge mehr!
Wir konnten es gar nicht fassen, aber es war so.
Dieser Hund ist wahrlich k e i n Hund für
Anfänger!!!! Ein Bardino bedarf unbedingt einer
"lieben" Strenge und "liebevollen"
Konsequenz!!! Mit Schimpfen und sonstigen strengen
Erziehungsmassnahmen erreichen Sie bei diesem Hund rein gar
nichts. Er schaltet so dermassen auf stur und versteht auch die
Welt nicht mehr, warum man ihn so anschreit! Naja, wer weiss, was
er auch alles mitgemacht hat vor uns.
Auf jeden Fall, muss man ihm ein Kommando immer
mit entschlossener und konsequenter Stimme geben, sonst folgt er
einfach nicht. Ein halbherziges leises Kommando ignoriert er mit
einer Arroganz, die einen fast zum Lachen bringt. Mein Mann ärgert
sich immer sehr, denn wenn er ein Kommando gibt, schaut ihn Taco
nur treuherzig an, gebe ich es, folgt er aufs Wort. Er braucht
aber auch uneingeschränkter Geduld und Liebe, Liebe und nochmals
Liebe.
Ein Bardino ist für mich das non plus ultra von
einem Hund, äußerst klug, mutig und so treuherzig, ruhig,
besonnen und gelassen. Aber auch ein echter Spanier: stolz, elegant
und eine leichte Arrganz und Ignoranz, denn er ist der Beste,
der Schönste und der Größte. Aber auch diese Eigenschaften
lieben wir sehr an ihm!
"Taco" versteht sich auch mit allen
anderen Hunden, egal ob Rüde oder Weibchen, nur Katzen sind nicht
sein Ding. Solange er im Kreise seiner Liebsten sein kann, ist die
Welt für ihn in Ordnung.
Wir werden überall bewundert, was für einen
ausgesprochen lieben, ruhigen, braven Hund wi haben und das ist er
auch! Mit Taco kann man überall hingehen, man wird ihn gar nicht
spüren. Theoretisch könnte man mit ihm auch in die Oper gehen,
es würde keinem auffallen, dass ein Hund in der Vorstellung ist.
Mit Tibor, unserem verstorbenen Liebling war ich
mal bei einem Classic-openair bei freiem Eintritt und er
bellte bei jeder Arie, je höher die Sängerin hinaufsang. Es war
herrlich, und als die Leute applaudierten, bellte er erst recht
drauf los. Taco würde das nieeee tun.
Taco bietet sich auch ideal als
"Krankenschwester" an, denn wenn einer von uns krank im
Bett liegt, weicht er nicht von unserer Seite, er geht nicht mal
hinaus, um sein Geschäft zu verrichten, sondern bewacht mit
Akribie den Patienten. Er liebt das Schmusen und Kuscheln über
alles und stupst und stupst nach Streicheleinheiten.
Er ist absolut kinderlieb und vorsichtig
im Umgang mit älteren,gebrechlichen Menschen und beschützt uns
noch immer wie damals. Ein Traum von einem Hund. Fast 7 Jahre ist
er nun in unserer Familie und wir würden nieeeeee mehr tauschen
wollen.
Es hat sich absolut ausgezahlt, soviel Geduld an
den Tag zu legen und ihm die Zeit zu geben, die er vermutlich
brauchte, um endlich ungetrübtes Vertrauen in uns gewinnen zu können,
ohne Angst haben zu müssen, wieder im Tierheim zu landen.
Worauf
wir ganz besonders stolz sind, im Jahr 2003 wurde bei uns in Österreich
unter dem Titel "Dogmania - Österreich sucht den
Superhund" der beste Hund in 3 verschiedenen Kategorien
gesucht.
Es ging darum, warum man glaubt, dass sein
eigener Hund der Beste ist. Wir berichteten von seinem großartigen
Einsatz, wie er den Einbrecher in die Flucht geschlagen hat, nach
so kurzer Zeit in unserer Familie. Unter rund 2700 teilnehmenden
Hunden in der Kategorie Familienhund gewann unser Taco den 2.
Platz und wir fuhren nach Wien zur Siegerehrung. Wir hatten
regelrecht das Gefühl, Taco begriff, dass er etwas besonderes
geleistet hat und sass ganz stolz vor seinem Pokal und bekam ein
Jahr Hundefutter seiner Wahl.
Ja, wir sind sehr stolz auf ihn! Sollte er eines
Tages nicht mehr bei uns sein, wird es uns fast das Herz brechen,
denn wir lieben ihn auf ganz besondere Weise. Er ist nun rund 9
Jahre alt und hoffen, ihn noch lange in unserer Mitte zu haben,
unser "Don Taco" - der stolze Spanier!
Es gibt ein altes spanisches Sprichwort: "hoy
te quiero mas de ayer, pero menos de manana" - heute liebe
ich dich mehr als gestern, aber weniger als morgen.
So war es in der Tat bei unserem Taco auch.
Trotz allen Unfugs, den er in den ersten 6 Monaten so trieb,
lernten wir ihn von Tag zu Tag mehr lieben und es scheint so, als
kannte er dieses Sprichwort auch. Denn was er uns an Liebe zurückgibt
ist einfach unbeschreiblich und traumhaft schön!
E-Mail: irene.gramal@hotmail.com
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